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Wein und Poesie

In Santa Eugenia macht die Polizei gute Landweine... und fixe Reime.

Fünf imposante Tourenräder stehen auf dem betonierten Platz vor dem neuen Natursteinbau, gleich am westlichen Ortseingang zu Santa Eugenia. Aus dem Inneren des Gebäudes dringt das tiefe Brummen einer Espressomaschine. Schon im Entree bestätigt herzhafter Kaffeeduft den auditiven Ersteindruck. Und hoppla, der Innenraum wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie der Dorfgasthof. Ein wuchtiger holzgetäfelter Tresen, hängende Sobrasadas und aufgefädelte Remallet–Tomaten beherrschen die gesamte rechte Raumhälfte. Dort sitzen auch die Radler um einen Resopaltisch und fachsimpeln zu angesagten Themen: interessante Biking-Routen und anständige Insel-Weine. Aha, ganz so falsch bin ich hier also nicht. 

Dann schweift der Blick nach Links und trifft auf erste handfeste Indizien. Die Stirnseite des Raums nehmen zwei Zweihundert-Liter Edelstahlzylinder ein. Darunter stehen bereits einige Fünf-Liter-Plastik-Karaffen, verkaufsfertig abfüllt mit Rotwein. "Das ist unser Jungwein, den bieten wir als Literware an," erläutert Sebastià Crespí Coll, der an mich herangetreten ist und meinem Blick folgt. "Der gute Rote steht mit den anderen Abfüllungen dort drüben." Er weist auf ein bescheidenes Holzregal zur Linken. 
Ganz oben, nach bewährten Supermarkt-Marketing-Regeln verkaufsfördernd auf Sichthöhe platziert, präsidiert der Crianza die Wein-Familie. Es handelt sich um eine stattliche Cuvée aus Manto-Negro, Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot. Der gute Rote des Hauses reift für mindestens zehn bis zwölf Monate in Barriques aus gemischtem Holz von französischer und amerikanischer Eiche und ist erstaunlich günstig. Die Komposition der einzelnen Jahrgänge variiert. Eine reine Geschmacksfrage, meint Sebastià, bei der die beiden Brüder nicht immer übereinstimmen. Aber nicht nur deshalb  fungiert der Önologe Juan Mora als Zünglein an der Waage. Der Mann zählt zu den Wein-Koryphäen der Insel und ist weit über die Grenzen der Balearen bekannt.
In den darunter liegenden Regalgeschossen folgt ein junger Rosé auf Manto-Negro-Basis und der weiße Taujana. Letzterer sortenrein, gekeltert aus Prensal-Blanc. 


„Und dort drüben,“ Sebastiàs Hand kreist weiter bis zum sich anschließenden Kaminsims, „stehen ein paar Beispiele unserer individualisierten Abfüllungen.“ 
Ich muss wohl ziemlich verständnislos geschaut haben, denn er fährt fort: „Mein Bruder Joan und ich sind Freund und Helfer hier im Ort und leidenschaftliche Winzer dazu, bereits in der dritten Generation, mütterlicher- wie väterlicherseits.“ Sein Gesicht nimmt einen verschmitzten Ausdruck an, „... und außerdem reime ich für mein Leben gern.“ Spricht´s und lässt spontan ein Pröbchen seiner Kunst aus dem Stehgreif folgen:
Yo només puc dirque el ví mallorquíés molt bo.
Ho sé cert,i ho puc tocar amb ses mansi si un ho pot brufar ams els germans,això no hi cup adins del cor. *

Hut ab, der kelternde Troubadour hat mich jetzt wirklich überrascht. Und auf dem Kaminsims stehen noch eine ganze Reihe der poetischen Handstreiche - bester Crianza, fein etikettiert mit erlesenen Fersen. Die durchschnittlichen Auflagen der Poesie-Abfüllungen liegen bei 50 bis 600 Flaschen. Aber, gesteht Sebastià, wenn ein sympathischer Mitmensch einen Liebesschwur an seinen edlen Roten binden möchte, habe er auch schon Mal nur eine einzige Flasche mit einer “glosa“ etikettiert. 

Die besten Gedanken kommen dem dichtenden Winzer ganz eindeutig im Weinfeld. Bei frischer Luft und beruhigender Handarbeit fließen die Gedanken. Damit scheint ein weiteres Stichwort gefallen zu sein, denn sogleich stimmt der wackere Landmann das hohe Lied der wohltuenden Feldarbeit nach Dienstschluss an. Einer der Hauptgründe übrigens, für Gesundheit und langes Leben, wie der 53-jährige fit und fidel bekundet. 
Der Einklang mit der Natur sei auch für einen guten Wein unerlässlich. Schon an den kleinen Kräutern, die am Fuße der Weinstöcke wild wachsen, könne der Wein-Fachmann ablesen, ob und oft auch welche Plagen die Ernte bedrohen. Dann müsse man Abwehrmaßnahmen einleiten. Nach reiner ökologischer Lehre hört sich das nicht an. Aber der erfahrene Weinbauer wiegelt ab. Ökologie wenn immer möglich, verdünnte Kupferlösung statt Fungizide etwa oder biologische Düngung. Schutz der Ernte wenn nötig. Der Grundtenor der Gebrüder Crespí bleibt auch in diesem Punkt bodenständig.

Zu guter Letzt gibt uns Sebastià noch ein Stückchen Winzer-Weisheit mit auf den Weg. "Wenn du wissen willst, wer im Leben das Sagen hat," bemerkt er augenzwinkernd, "dann sieh dir mal den Namen unserer Bodega an: Viña Taujana. Von alters her werden die männlichen Bewohner von Santa Eugenia mit dem Spitznamen ”els Taujans” belegt, die Frau ist die ”Taujana”. Muss ich noch mehr sagen?"   

* Eine Übersetzung der ”Glosa“ lautet etwa: Ich möchte nur sagen, dass der Wein Mallorcas ausgezeichnet ist.Diese Gewissheit spüre ich in meinen Händen,und wenn ihn jemand zusammen mit seinen Brüdern genießen kann,dann fließt das Herz über.

   
 
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